projekte

“Home-Land-Luxury/ Remains”
Apr- Nov 2012 Berlin- Neapel

Performance- und Installationsprojekt in Kollaboration mit dem Casoria Contemporary Art Museum und der Stiftung Tacheles (SineDie project room)

*Burning for CAM, Verbrennungs- Performance in Kollaboration mit dem CAM Art War, 26. Apr 2012
*A she S, Performance in Kollaboration mit CAM Art War initiiert von Antonio Manfredi, dOCUMENTA(13), Kassel Hauptbahnhof 19. Jul 2012
*remains,  Einzelausstellung SineDie project room, Berlin, Jul-Sept 2012 (Letzte Performance im Kunsthaus Tacheles Berlin)
*How Long Is Now, Opening Performance / “ASHES::remains” für Sammlung CAM, Casoria Contemporary Art Museum, 25. Okt 2012

„Heimat-Land-Luxus / Ankunft“
Jul- Okt 2012 Berlin- Forchheim, Oberfranken

Ein Video- Projekt zum Thema Heimat, Vergangenheit und Zukunft mit performativen Elemente

Im Zuge der Performance- und Installationsreihe „Dress to kill“ macht sich die in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Miriam Wuttke auf die Suche nach Heimat. Sie bezieht sich im Rahmen ihres 2012 realisierten Arbeitstitels „Ankunft“ auf Geschichten von Vertriebenen und Migranten in ihrem Geburtsort Forchheim.
Realisiert werden mehrere Videobeiträge auf derBasis von Interviews zwischen poetischer Reflexion und Dokumentation: Die Künstlerin begibt sich auf die Spur von vertriebenen Menschen, die nach dem zweiten Weltkrieg und in jüngster Gegenwart in Forchheim und Umgebung ankamen, ein zu Hause suchten und es dort fanden.
Reflektiert werden Fragen um die Diskrepanz zwischen vordergründiger und tatsächlicher Ankunft und Heimat, nach den Schwierigkeiten der Integration, nach dem Dilemma der Heimatlosigkeit, des Andersseins und der Angst vor der Ausgrenzung.
Die Sehnsucht nach dem „Ankommen“  wird von Miriam Wuttke in zwischenmenschlichen Begegnungen erspürt, künstlerisch verarbeitet, zu einer performativen Geste komprimiert und in einer abschließenden Gesamtinstallation inszeniert.
Wichtig sind nicht nur die in der vorbereitenden Arbeit erzählten Geschichten, sondern auch die persönliche Auseinandersetzung und der Bezug der Künstlerin mit und zu Landschaft, städtischer und dörflicher Infrastruktur und den eigenen familiären Wurzeln zwischen Polen und Deutschland.
Dies alles definiert und bestimmt die Geste der künstlerischen Herangehensweise und den Prozess, der Textur und Rhythmus von Videoarbeit und Performance hervorbringt.

“Heimat-Land-Luxus / A SHE S”
Mai- Aug 2012

dOCUMENTA(13) Projekt und Performance am Hauptbahnhof Kassel
Auf Einladung von Critical Art Ensemble und deren dOCUMENTA(13) Projekt “Winning Hearts and Minds”
In Zusammenarbeit mit CAM Art War (Neapel) und SineDie project room (Berlin)
Mitwirkende Künstler: Antonio Manfredi (Video) und Veronica Mota (Sound)
Idee, Konzept und Produktion Miriam Wuttke

„Heimat-Land-Luxus / Hausschlachtung“
Jan- Apr 2012 Berlin

“HAUSSCHLACHTUNG: Zerstörung und Wiederaufbau. Die Leiter der Hierarchien, auf und ab, Verhältnisse zwischen: Menschen, Tieren, Pflanzen, Dingen. Vergangenheit, Bewältigung, Schicksal, Kampf. Ein Sich-Stemmen gegen die Herzwand: Gewinner und Verlierer am unteren Ende der Fahnenstange. Zusammenbruch. Die Flucht in die Höhle des Löwen. Die Identifikation mit dem Gegner. Die Umarmung der Schwäche. Hingabe, Aufgabe, Opfer. Lammfromm, gezähmt, waidwund zum Sterben zurückgezogen. Oder die Axt schwingend. Kurz vor dem Bolzenschuss ist nach der Angst vor der Lösung. Alles zurück auf LOS.”

*Hausschlachtung 1, Performance und Installation, Tacheles Biennale Opening, Goldener Saal, Kunsthaus Tacheles, Jan/Feb 2012
*Hausschlachtung 2, Performance und Installation, Frühlingserwachen, Silver Silver Lopez, Mär 2012
*Hausschlachtung 3, Performance und Installation, In Kollaboration mit Alexander Rodin und Mitrich, Kreuzberg Pavillon, Mai 2012

You Tube Video Hausschlachtung 1

HEIMAT-LAND-LUXUS // HOME-LAND-LUXURY
Jan 2012- Jun 2013

Die Serie und das Thema Heimat-Land-Luxus entwickelte sich im Januar 2012 aus dem Arbeitstitel Dress to kill.

„Der fatale Glaube an hierarchische Strukturen macht uns empfänglich für die archaische Angst, der wir im Moment der Konfrontation mit dem Anderen begegnen. Das Andere bringt das Chaos, den Umsturz des Gewohnten, die Sterne, das Firmament, die Erd, ein umgestürzter Hafen (woyzeck), das Prinzip des Ordnens wird oberste Priorität. Die Priorität beginnt im Übermaß nach Strukturen der Sicherheit zu verlangen. Wir klammern uns an die Idee des Dauerhaften im Taumel der Furcht, es könne Nichts mehr so sein wie es vorher war.
Dualität schafft Raum. Zwei Punkte bestimmen den Stand der Dinge. Dazwischen eine Gerade, eine Krümmung, ein Kreis. Ankunft ist möglich, Umkehrschlüsse nötig.
Verständnis in Anbetracht der Umstände: Wir sind nicht allein. Schade!
Das Einssein hat ein Ende, das Kollektiv bestimmt die Kommunikation, Informationen werden verschleudert. Der Preis ist der Umbruch, Der Sturz, die Verdrängung. WOHIN?
Heimat- ein Nichtort.
Neu verortet im Zeichen der Zeit: Global. Ein Sehnen nach Stille.
Ich frage Dich: Wirst Du mich retten? Ich bitte Dich: Vergebe mir die Zerstreutheit. Ich flehe Dich an: Verdränge mich nicht!
Nichts hat Bestand. Außer die Angst um Bestimmung. Ein schreckliches Chaos greift um sich. Ich verliere immer mehr die Kontrolle. Was ist zu tun? Was bleibt mir übrig?
Ich verliere mich immer mehr in der Kontrolle. Die Biegung der Zeit, das Brechen des Lichtes, die Vernichtung des Raumes. Ich bin geschafft! Ich werde geschaffen!
Wohin?“  Februar 2012

“Dress to kill/ Die Scholle”
Nov 2011

*Die Scholle 1 Berlin, Silver Silver Lopez, Berlin,  Nov 2011
*Die Scholle 2 München, Kunstverein München , Nov 2011
*Die Scholle 3 Hamburg, Galerie xponart Hamburg, Nov 2011

“Dress to kill/ Embracing the animal mind”
Jun- Okt 2011

“Die Geste der Umarmung des Tieres ist die Befriedigung eines Bedürfnisses, das die Angst besiegt, indem es über das Archaische zum Magischen und über die Erkenntnis zum Gegenüber führt. Dann zurück. Da ist nicht nur Nichts. Da ist etwas. Oder etwa nicht?“

“Der Markt ist ein scheues Reh.”, Sprichwort.

„Dress to kill“
Jan 2011- dato Berlin, Padova, München, London, Hamburg, Kassel

„In der Performanceserie Dress to kill geht es um Vertreibung, Verdrängung, Flucht und Ankunft, die poetische Reflexion täglicher Selbst- zerwürfnisse in einer um Ressourcen kämpfenden und gleichzeitig verschwendenden Gesellschaft, um die Schwierigkeiten der Sesshaftigkeit und den Durchbruch des Archaischen in Erwartung der drohenden Krise am Ende des postkolonialistischen Zeitalters.
Es geht um Schwarzkohle, Erde und Baumwolle, die Leiter der Hierarchien, die Heimat, das Wild, den Wald; die Jagd, den Tod, das Attentat; die Scholle, die 4 Pfeiler eines Hauses und eine ewige Wanderung, deren Ende durch Erschöpfung, nicht durch Bestimmung bedingt ist.
Ein Schlachtfeld der Objekte, Texturen, Oberflächen.

Dez   „Die Scholle 3 Hamburg“ Performance, Installation, Galerie xpon-art Hamburg
Nov
   „Die Scholle 2 München“ Performance& Installation, Tatort Kunst Festival München
Nov
   „Die Scholle 1 Berlin“ Performance& Installation, Nacht& Nebel Kunst- und Kultur- Festival Berlin
Okt
   „The deer collection“ Ausstellung und Performance, Parallax Art Fair La Gelleria Pall Mall Londo
Sept
  „Das Museum zum Ende des Postkolonialismus“ Installation, Silver Silver Lopez Berlin
Aug
   „Das Ende des Postkolonialismus- 12 Aquarelle“ Performance&Einzelausstellung, Salon Irkutsk Muenchen
Jun
   „Dress to kill“- FocusDiversion 48h Neukoelln Performance& Installation, Silver Silver Lopez Berlin
Mai
   „Das Ende des Postkolonialismus“ Performance, New Gallery Kunsthaus Tacheles/ Berlin- Shanghai
Apr
   „Kampf um die Sonne“ Performance, New Gallery Kunsthaus Tacheles Berlin
Ma
    „Digitale Nestwärme 2“ Performance& Installation, La Chimere Kunst Festival Padova
Feb
   „Digitale Nestwärme 1“ Performance& Installation, New Gallery Kunsthaus Tacheles Berlin
Jan
   „Crossing Jordan“ Performance& Installation, Abnormals Gallery Berlin

———————————————————————————————————————-

„999. control. no control. bondage, birds and taliban.“
Berlin, New York, Miami, Poznan, Salzburg, Muenchen 2008/2009/2010

Von 2008 bis Ende 2010 beschäftigte sich Miriam Wuttke in ihrer Performance Reihe „999. control. no control.“ mit den Themen Kontrolle, Grenzen, Selbstbild und Wahrnehmungsschemen.
Es ging bei den ortsbezogenen Selbst- Bondage- Performances um die Erforschung von Rollen (gender), Räumen, Bildern und Eindrücken bei gleichzeitiger Deprivation von Wahrnehmungsmöglichkeiten und der Einschränkung von physischen Bewegungsspielräumen. Die Inszenierung der Körperlichkeit lässt den Zuschauer durch die Einschnürung in die verwendeten Bondage- Materialien (PVCband, klebendes Paketband und Markierungsband) visuell teilhaben an einem regressiven Prozess, bei dem die Abgrenzung und die Reise ins Innere gleichzeitig ein durch Signalfarben unterstrichenes Teilhaben- lassen an Einsamkeit, Rückzug, Schmerz und Befreiung bedeutet.
Der Begriff „Bondage“, verwendet in der BDSM- Szene, steht dabei metaphorisch für Selbstkontrolle sowie Selbstaufgabe.
Die Selbstfesselung nimmt Bezug auf Begrifflichkeiten der Existenzphilosophie und reflektiert die Bereitschaft des Einzelnen, in Anbetracht gesellschaftlicher Anforderungen Freiheiten einzugrenzen und für das Versprechen identitätsstiftender Konsumgüter aufzugeben. Aufgeworfen wird die Frage des inneren Gleichgewichts und Standpunktes in Anbetracht eines gesellschaftlichen Rückentwicklungsprozesses hin zu gesteigertem Selbstbehauptungsdruck, Fremdenangst, Opferbereitschaft und Ergebenheit.

No 1
September 2008
Haase& Plankk, Wrangelstr. 25, Berlin
999. control. no control. No 1: sporting seclusion. giving it up. rolling in tape.
video, installation, drawing, painting.

No 2
October/ November 2008
Museum of Contemporary Trash Art, Solo Show Haase&Plankk, Berlin
999. control. no control. No 2: Sex, Violence, Pressure, Death. I´m a success: the acceleration of particles! the creation of black holes! high heel commitment! stock market exchange!
clustering, installation, performance.

No 3
March 2009
Midtown Manhattan, New York
999. control. no control. No 3: Galvanized pressure cooker: the blind spot. It´s ok not to know what you want.
video, thinking, words.

No 4
May 1st until May 27th 2009
9 +9 +9 = 27 images, Berlin
999. control. no control. No 4: bonding for life- forever and ever: 27 acts of taming in total remote control.
video performance, drawing, painting.

No 5
14.- 16.08.2009
Kunsthaus Tacheles, Beteiligung an der Gruppensshow „Schwarzwasser“, Berlin
999. control. no control. No 5: bonding for life 2. foreverever. Reizthema Urlaub.
installation, performance, collage.

No 6
06.11.- 10.12.2009
Installationsritt in 6 Akten in Zusammenarbeit mit ADLER A.F., Berlin, New York, Miami
999. control. no control. No 6: The ride of the Walkyries.
installation, performance, painting.
Video Silver!! emerging from the ocean (Miami Beach)

No 7
13.02.- 27.08.2010
Bondage_Circle_1_3_9_27_81
999. control. no control. No 7: Multiplying_Multitasking_Multibodies, Berlin, NYC
installation, performance, choreography.

No 8
04.09.2010- 22.02.2011
Wrap, Cut and Paste
999. control. no control. No 8: Intercultural_Interfearing_Interaction, Berlin, Poznan
installation, performance, choreography.

No 9
Februar 2011- Dezember 2011
999. control. no control. No 9: Total control.
Arbeit an der Präsentation des Gesamtkonzepts. Umsetzung einer Serie von 9 grossformatigen Gemälden.
Berlin. Zwischen Kreuzberg, Neukölln und Mitte…

Fazit:

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
(Repetition Girl, nach einer „dieser Nächte“)

 

„LIVE STREAMING LIVE, 24/7- 7days of dr_planckulture3000“
NYC, März/ April 2008

„ground control productions presents: 7 days of dr_planckulture3000“, war ein für die NYC Art Fair 2008 angelegtes Marathon Projekt, welches sich als Installation und Performance sieben volle Tage bzw. Nächte lang in einem Raum im 13. Stock in Midtown Manhattan abspielte, und welches unter „groundcontrolproductions.net“ 24h am Tag live via Stream ins Internet übertragen wurde.
Die Protagonistin richtete sich nach dem Vorbild von „Big Brother“ häuslich und künstlerisch, unter stetiger Beobachtung von Zuschauern im World Wide Web, auf Augenhöhe mit den Arbeitern eines chinesischen sweat shops in einem Fabrikgebäude auf der West Side Manhattans ein.
Unweit der anschmiegsamen Betriebsamkeit internationaler Gallerien und Künstler, welche sich zum Händeschütteln und Plausch in der ganzen Stadt tummelten und trafen, malte, performte und installierte die Künstlerin ohne Unterlass und Zweifel.
Auch Frau Wuttke war, wenn sie nicht gerade als „Prof. Dr. Plankk“ eine Notoperation am lebendigen Bären durchführte oder als „Silver“ zur Meditation mit der „Walkürenbrezel“ aufforderte, unterwegs an den Dreh- und Angelpunkten des internationalen Kunstmarktes, um zu sehen und gesehen zu werden, bzw. um Zuschauer für schöne Beiträge wie „Osamas Bountiful Basket“- die Beautyshow mit dem Talibanführer- oder „Five o´clock German Hour“- Deutsche Stunde mit Sternchen Raute- zu werben…
Nicht selten kamen die Beworbenen gleich als Special Guests mit ins Quartier und wurden dort interwievt und verköstigt.
Neben live Darbietungen befreundeter Künstler, gab es die klassischen Diskussionen über Postmoderne und Avantgarde, als live gestreamtes Plankk´sches Nachtprogramm am Bistrotisch bei Wein und Zigaretten. Höhepunkte und Publikumsfavoriten waren die „Kaffeepause mit dem Führer: Osama liest aus Nietzsche und der Bunten“ und „Die Transplantation des Gesichts Peter Alexanders in den Magen des Bären“, eine schwierige aber gelungene OP mit einer beschwingten Prof. Dr. Plankk, die zu diesem Anlass, zur Freude ihrer amerikanischen Fans, auch mal aus dem „Nähkästchen“ plauderte…
Entstanden war die Idee des live Streaming bei dem Projekt „Our Time“ im September 2007, als Frau Wuttke zusammen mit weiteren New Yorker KünstlerInnen in einem kurz zuvor aufgegebenen 500 qm großen McDonald´s Restaurant in der 57. Straße im Schaufenster installierte, malte und (kurz) schlief.
Thematisiert wurden die Bedingungen der chinesischen ArbeiterInnen des im gegenüber liegenden Haus eingerichteten Sweat Shops, die Gentrifizierung des Bezirks Midtown,  und speziell die Verdrängung des historischen “Garment Districs”. Ins Horrende steigende Mieten und eine Verschlechterung des Marktes erzwangen den Bankrott vieler Stoffhändler, Deli- Besitzer, Cafe- Betreiber und Restaurant- besitzer im Bereich zwischen 35- und 55ter Strasse zwischen der 11ten und 8ten Avenue. Dieser Bankrott und eine künstliche Aufwertung des Bezirks durch den Bau neuer Häuser und den Verkauf neuer Luxus- Condominiums, von welchen viele leer stehen, verdrängten innerhalb zweier Jahre die meisten der seit den 20ger Jahren des 20. Jh ansässigen Geschäfte und Familien. Zudem wurden Obdachlose (seit der Bürgermeisterschaft von R. Giuliani) aus dem zentralen Stadtbild verbannt, indem sie von speziellen Einsatzkräften in die außerhalb liegenden Bezirke New Jersey, Redhook oder Harlem transportiert wurden. Drogenabhängige und Prostituierte wurden teilweise unter Zwang in die Psychiatrie eingewiesen.
Während die Strassen “sauberer”, die Stadt “ruhiger” und die Gegend “hipper” wurde, verloren sie an Arbeitsmöglichkeiten, ihrer typischen demographischen Zusammensetzung und Menschlichkeit.
Die künstliche Betriebsamkeit und die elitäre Haltung und glatte Oberfläche von Galerien, die von Chelsea nach Hells Kitchen zogen, bewog Miriam Wuttke zu der teilweise ins Absurde führenden Arbeitshaltung  zwischen totaler Veräußerung und eingeplantem Burn Out.
Der amerikanische Traum endete hier.

Fazit

„Es lebe das Ethernet!“

Und: Vor dem Kriechen durch das ausgetrocknete Flussbett der afghanischen Hochebene muss eine gute Kamelfettcreme ca. 5 Min lang in die Gesichtshaut einziehen, wobei der Dekoltebereich nicht ausgespart werden sollte. Reste nicht achtlos wegwerfen: Sie können zur Politur des Kalaschnikowlaufes verwandt werden! (aus „Osamas Tagebuch“, 2008)

 

„120 Tage auf der Suche nach dem Deutschen Traum“
15. Maerz bis 17. Juli 2005

Die „Suche nach dem deutschen Traum“ war ein genau 120 taegiges, waghalsiges und anstrengendes Unterfangen, purer Gonzo Journalismus nach dem Modell Hunter Thompsons, welches Frau Wuttke in einem Passat Kombi mit Wohnwagenanhaenger im Fruehling/ Sommer 2005 durch die ganze Republik fuehrte und bestens dukomentiert ist.
Neben einem ueber 300 Seiten starken, fast taeglich auf den Schreibmaschinen „Olympia“ und „Tippa“ gefertigten Reisejournal gibt es eine 5 stuendige Video- Rohfassung, welche chronologisch von den Hoehen und Tiefen, den extatischen und niederschmetternden Begebenheiten, Erlebnissen und Befindlichkeiten von Kuenstlerin und Umwelt erzaehlen.
Die Interviewpartner der als „Frau Prof. Dr. Plankk“ getarnten Frau Wuttke reichen von Besuchern eines niederbayrischen „Schnupferfestes“ ueber den Vorsitzenden eines fraenkischen Oldtimer- Traktoren- Clubs bis hin zum Besitzer des Cafe Schill im Glottertal; vom Parkwaechter in Sans Soucie ueber den Kreuzberger Obdachlosen bis hin zum Bremer Hausbesetzer… Alles war dabei, und Frau Plankk, die sich in Bayern auch gerne mal als Koenig Ludwig II. verkleidete und ausgab, scheute weder Entfernung noch Muehe, dem deutschen Traum ganz ganz nah zu kommen… Trotz Finanzierungsengpaessen, unschoenen Begegnungen mit Neonazis, kuenstlerischen Krisen, Autopannen, Muedigkeit und Hunger blieb die Devise „Machen“ in ihrer Abwandlung zum „Weitermachen“ neben Musik aus dem leiernden Kassettendeck des Passats die treibende Kraft, welche Frau Wuttke schliesslich, nach 120 ereignisschweren Tagen, sicher zum angestrebten Zeitpunkt zum Endpunkt der Reise geleitete. In der Gueterhalle des Ottersberger Bahnhofs wohnte die Kuenstlerin zur „Endpraesentation“ ihres Marathons sieben Tage lang in ihrem Wohnwagen inmitten ihrer Installation. Wenn sie morgens aufstand, konnte sie Zaehne putzend den Besuchern ihrer Ausstellung einen Kaffee vom Gasherd anbieten.- Gemuetlichkeit muss sein!

Fazit

„Den Deutschen Traum, den gibt es nicht.“, so die einstimmige Meinung aller Befragten.- Zum Glueck

Und: Wer laenger auf Autobahn- Raststaetten und Parkplaetzen schlaeft, kocht, isst, malt, zeichnet und schreibt, kann das Gefuehl, dass ein Leben in der Oeffentlichkeit und unter staendiger Beobachtung vollkommen normal ist, so schnell nicht mehr abschuetteln.

View Silde Show on You Tube

 
„Life in the post 9/11 World / War games“

2003 bis 2004

Das Thema „Life in the post 9/11 World“ nahm Bezug auf die Veränderungen, welche Frau Wuttke nach dem 11. September 2001 in New York als exemplarischer Weltstadt beobachten konnte. Die Kriegsschauplätze Manhattan, Irak und Afghanistan wurden in Zusammenhang gesetzt zu den Schauplätzen, auf welchen die kleinen, individuellen Kriege des Lebens im Alltäglichen ausgetragen werden. Die persoenliche Krise, der Zusammenbruch, Gewalt, Schockzustand, Angst, Fremdbestimmung und Willenlosigkeit im funktionalen Gehorsam standen im Hintergrund einer täglich wachsenden Installation in Frau Wuttkes Atelier an der FH Ottersberg.
Die schriftliche Veräusserung wurde kryptischer bis zur Sinn- Verstümmelung, die Zeichnungen wichen Collagen geferigt mit Ausschnitten aus Zeitschriften, Waffenkatalogen, Fleischwerbung, Armeemagazienen, Lokalberichten, gepaart mit Schnipseln, Gegenständen, Müll und Photos von Reisen nach Manhattan und zurück. Frau Wuttke wurde in ihren Performances direkter und aggressiver, die Musik wurde lauter, Waende und Boden voller bis zur letztendlichen Ueberfrachtung, die den Betrachter gleichzeitig überforderte und abstiess, aber trotzdem zum dechiffrieren dieser aufdringlichen Mitteilsamkeit einlud. Das, was da wuchs, kannte kein Ende, keinen Halt und kein Ziel und fragte nicht nach Legitimation durch Akzeptanz oder Gefallen. Die Ästhetik des Trash, der Gewalt und der Direktheit ging einher mit einem sich erschöpfenden Arbeiten und Schaffen ohne Punkt und Komma. Die ganze Trieb- Kraft der Maschine Mensch, die Hinnahme des scheinbaren Schicksals, in der bedrohlichen Krise und in Anbetracht von äusserem Druck eine bestimmte Rolle erfuellen zu muessen, waren Teil dieser an den Tag gelegten Arbeitswut als Spiegel dessen, was durch den 11. September an Dynamik und Energie losgetreten worden war.
Das Atelier wurde zum Schlachtfeld, die Schwidsucht schlüpfte in das Gewand von Fanatismus, Fremdenhass und Polarisierung. In Performances berichtete Frau Wuttke als GI Jane unter Sirenengeheule und begleitet von übersteuerten Hitlerreden „von den Schauplätzen der Kriege“ und begann, die mediale Ausschlachtung der „Ereignisse“ Osama Bin Laden in der Rolle des Täters oder Eva Braun in der deutschen Opfer/ Frauenrolle zu persiflieren.

Fazit

„Be someone- kill yourself!“ (Sex Pistols/ Taliban Headquarters/ Operation Enduring Freedom

Video War Games 1

Video War Games 2

Video War Games 3

„Clown Town Stories“
2001 bis 2003

Die Clown Town Stories beziehen sich auf einen Zeitraum von drei Jahren, in welchen sich Miriam Wuttke fast ständig und intensiv mit dem Thema Clowns auseinandersetzte. Dies geschah nicht aus der Bewunderung des Clownesken oder aufgrund der Art und Weise, in welcher Humor und Komik in Gestalt des Clowns zum Ausdruck gebracht werden. Vielmehr wuchs die Künstlerin gemeinsam mit Freunden und Bekannten aus dem bildenden und darstellenden Bereich in New York in ein „Clown Town“ Projekt hinein, welches im Laufe kuerzester Zeit an Geschwindigkeit und Gewicht gewann, in ungewollte Ausmasse wuchs und immer hysterischer, grotesker und gewal(ttä)tiger wurde. Ausgangspunkt waren die beiden Filmemacher/ Schauspieler/ Brüder Coleus, welche eine Stadt namens Clown Town, ein abgewracktes Pendant zu Manhatten, erfanden und begannen, Geschichten und Rollen zu schreiben. Photoshootings, Filme und Performances waren spontan organisiert, wurden im öffentlichen Raum installiert oder gedreht, und das entstandene Material führte zu weiteren Geschichten, Rollen und spontanen Zusammenkünften in wahnwitzigen Kostümen und sich überschlagender Stimmung. Irgendwann kam man nicht mehr aus der „Clown Town Spirale“ heraus, und Frau Wuttke begann, 2001 wieder in Deutschland, ihre eigene Clown- Stadt zu erschaffen. Die Charactäre in ihren Erzählungen waren meist morbide, unsympathische Gestalten, durchgedreht, gewaltbereit, immer am Rande des Abgrundes zwischen Hysterie und Depression, meist drogenabhaengig, sowie kurz vor dem selbstgewählten und clown- staatlich subventionierten Mord durch unaufhörliches Kitzeln stehend.
Es gab mehrere Installationen im Raum Bremen und weiterhin mit Freunden in Manhattan, sowie Gonzo Journalismus im Clownskostüm. Die Geschichten, Gemälde, Zeichnungen, Drucke und Aufnahmen aus dieser Zeit führten schliesslich zum Thema „Schwindsucht“ und zum Character der Prof. Dr. Plankk, die begann, Absurdes und Wissenschaft zu vermengen und bei trashig- ordentlichen oder ordentlich- trashigen Vorträgen ihre Inhalte an die Frau/ den Mann zu bringen. Die Ernsthaftigkeit und Tiefe der philosophischen Themen wurden sachgemäss durch Recherche und mit Belegen untermauert, jedoch immer wieder von der grotesquen Dynamik in Auftreten und Vortragsweise aufgelockert und hinterfragt.

Eigenschaft, Wissenschaft, Leidenschaft. Pythagoras, Augustinus, Eckhart. Stirner, Schelling, Heidegger.- Die tuberkulösen Zustände der Moderne, auf die sich die heutige Gesellschaft bezieht, Punk Rock und Walküren… interessante Zusammenhänge, erläutert von einer zierlichen Frau im roten Kostuem mit schwarzer Kassenbrille, mit Zeigestab in Nylonstrümpfen auf einem Scherbenhaufen von Absinthflaschen stehend.- Ordnung ist das halbe Leben!

Fazit?

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“- oder zu Tränen geruehrt ist, wie es damals einigen Anwesenden bei Lesungen von Frau Wuttke passiert ist.

Und: „We cannot turn our back on violence. We have to transform violence, thats what we have art for, thats what we have Rock and Roll for.“ (Patti Smith)

Video Die Kunst der Schwindsucht