Ankunft, Abschied, Erinnerung

A N K U N F T , A B S C H I E D , E R I N N E R U N G
„Erst wer fremd ist, weiß um den Verlust der Heimat.“

Ein Performance- Projekt zum Thema Heimat, Vergangenheit und Zukunft
Konzept & Präsentation Miriam Wuttke

Im Zuge der Performance- und Installationsreihe „HEIMAT-LAND-LUXUS“  macht sich die in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Miriam Wuttke auf die Suche nach Heimat. Hierbei bezieht sie sich im Rahmen ihres 2012 realisierten Arbeitstitels „Ankunft“ auf Geschichten von Vertriebenen und ihre eigenen familiären Wurzeln in ihrem Geburtsort Forchheim.

Realisiert werden dabei mehrere Videos auf der Basis von Interviews und Naturerfahrung zwischen Poesie und Dokumentation: Die Künstlerin begibt sich auf die Spur von vertriebenen Menschen, die in Forchheim und Umgebung ankamen, ein zu Hause suchten und es dort fanden.
Zudem konfrontiert sich Miriam Wuttke auf ihrer Spurensuche mit den Erinnerungs- Räumen ihrer Kindheit und inneren Bildern des Erlebens von Zugehörigkeit, Geborgenheit und Verwurzelung.

Der erste Teil des Projektes mit dem Titel Ankunft, Abschied, Erinnerung wurde im Frühjahr und Sommer 2012 erarbeitet und wird im Rahmen des Programms  „Netzwerk Kultur“ des Bayrischen Städtetages zum Thema „Zwischen Gestern und Heute“ am 12. Oktober 2012, 20:00,  in der Kaiserpfalz Forchheim, Kapellenstr. 16, 91301 Forchheim präsentiert. Der Eintritt ist frei

In den von Miriam Wuttke geführten Interviews werden Fragen um die Diskrepanz zwischen vordergründiger und tatsächlicher Ankunft und Heimat diskutiert, Schwierigkeiten der Integration erkundet und das traumatische Dilemma des Heimat- Verlusts, des Anders- Seins und der Sehnsucht nach Verwurzelung erforscht.

Der Wunsch nach dem „Ankommen“  wird in zwischenmenschlichen Begegnungen erspürt, künstlerisch verarbeitet, zu einer performativen Geste komprimiert und in einer abschließenden Gesamtinstallation inszeniert.

In der Videoarbeit sowie in der Verwendung von gesammelten Objekten beleuchtet die Künstlerin im Zusammenhang mit dem Thema Vertreibung verschiedene Ausdrucksformen der Angst und Bilder der Sehnsucht.

 Miriam Wuttke:

„ Herkunft, Heimat, Abschied und Ankunft beeinflussen unser Sein, Handeln und Verhalten dem Anderen und einem Außen gegenüber, welches wir durch das Setzen eigener Grenzen definieren. Um diese eigenen Grenzen zu finden, braucht und sucht jeder Mensch eine Verwurzelung, die es ihm möglich macht, zu wachsen, sich zugehörig zu fühlen, sich abzugrenzen und sich veränderten Strukturen immer wieder neu anzupassen.
Hinter allen Versuchen der Selbst- Definition und Veränderung steht das Ideal einer seelischen Integrität, die ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Akzeptanz in einem kleinen, örtlich gebundenen Raum gewährleistet.
Der Bezug zum eigenen Ursprung, zu Tradition, Kultur und Familie scheint in einer Welt, deren Definitions- Kriterien einer immer schnelleren Fluktuation unterworfen sind, umso wichtiger zu sein. Um in einer globalisierten Gesellschaft, deren einzige gemeinsame Nenner Verwertungslogik und Funktionalität sind, Halt in tradierten und selbst definierten Werten zu finden, müssen Auseinandersetzung und Kommunikation über ein Recht auf Heimat und soziale Anbindung neu geführt werden.
In der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Entwicklungen untersuche ich Prozesse, die ihren Ursprung in der Kommunikation über etwas Grund legend Menschliches haben.

In der performativen Arbeit interessieren mich der Umgang mit und die Bewältigung von traumatischen Erlebnissen, die eine menschliche Biographie ausmachen und Existenz bestimmend Entscheidungen, Taten, Gefühle und Gesten verursachen.
Der Verlust der Heimat ist ein traumatisches Erlebnis, welches greifbar wird, wenn es direkt und als persönliche Geschichte erzählt wird.

In meiner eigenen Familie ist das Thema der Vertreibung ein viel- zitiertes Ereignis mit Generations- übergreifenden Auswirkungen. Es definiert mich als Mensch und formt in mir Bilder, Erinnerungen und Sehnsüchte, die ich als Künstlerin weiter verarbeite.“